Perkunos- der Gott des Donners, Blitzes und Regens

Perkunos, ein Gott der alten Preussen, und zwar das Haupt der göttlichen Trias, welche wir so häufig bei den Völkern der alten Welt angedeutet finden. Ihm zur Seite standen Potrimpos und Pikollos; er war der oberste Gott, der Donnerer, der Götterkönig; seine Bildsäulen, roh aus Stein oder Holz gemeisselt, trugen die Züge eines zornentbrannten Mannes, sein Gesicht war feuerfarb angestrichen, sein Haupt mit Feuergarben gekrönt; bei den Slaven, Böhmen, Mähren und Russen war er, so wie bei den Preussen und Litthauern, hoch verehrt; noch jetzt findet man seinen Namen in den litthauischen Volksgesängen.

Nicht leicht gab es in ganz Litthauen oder Preussen (was für die Zeit des Heidenthums immer gleichbedeutend ist und erst von der Herrschaft des deutschen Ordens sich zu trennen beginnt) einen heiligen Wald, einen heiligen Ort, an welchem Opfer dargebracht wurden, wo nicht sein Bild verehrt, sein Dienst gefeiert worden wäre, und einzelne Namen von Orten, an denen dieses geschehen sein mag, haben sich noch bis jetzt erhalten, wie Perkunken, ein Dorf zwischen Königsberg und Tilsit, Perkunischken und Perkunlanken, das letztere unfern Gumbinnen etc.

Vor allen aber wurden ihm grosse Opfer zu Romowe gebracht. Vor der grossen Eiche daselbst ward ihm zu Ehren ein ewiges Feuer aus geheiligtem Buchenholz erhalten: der Priester, welcher es verlöschen liess, musste, gleich den Vestalinnen in Rom, mit dem Tode büssen. In solchem Unglücksfall war es schwer, heiliges Feuer zu erhalten, es musste harten Kieseln entlockt werden; hatte man dasselbe, so krochen die Priester, auf dem Bauche liegend, zur heiligen Eiche, entzündeten das Holz auf dem Altar, und der fahrlässige Priester war das erste Opfer, welches in die Flammen geworfen wurde.

Der Donner war seine Sprache, bei einem Gewitter fiel alles Volk auf die Kniee, schlug mit der Stirne den Boden und rief: »Gott P., erbarme dich unser !« Hatte der Gott mit dem Griwe geredet, hatte dieser Glück verkündet, so erfolgten fröhliche Gastgelage, und reiche Opfer fielen ihm dann an dem heiligen Feuer, Rosse, Rinder und gefangene Krieger.

Durch den Blitzstrahl erschlagen werden, heiligte; ein so Getödteter war in die Gemeinschaft der Götter aufgenommen; daher hatten die Oberpriester keinen höhern Wunsch als den, durch des Gottes Blitzstrahl zu sterben; doch nicht bloss dieser, sondern jede Erscheinung am Himmel überhaupt ging von ihm aus: Regen und Schnee, Sonne und Sturmwind dankten ihm ihre Entstehung.

Er scheint dem skandinavischen Gotte Thor zunächst zu stehen, doch ist die völlige Uebereinstimmung beider Gottheiten nicht nachzuweisen. Als Spender der Gesundheit, als Hülfsgott in Krankheiten ward P. angerufen. Gelübde und Dankopfer brachte man dem P. für sich und Andere bei gefährlichen Fällen. Heilig, wie die Asche von seinem heiligen Feuer, waren auch die Gewässer mehrerer ihm geweiheten und seinen Namen tragenden Seen, deren man noch jetzt vier kennt.

Quelle: Vollmer, Wilhelm: Wörterbuch der Mythologie. Stuttgart 1874

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