Seit 1800 v. Chr. haben Balten gesamte spätere Ostpreußen bewohnt – die Prußen

Aufgrund archäologischer Funde ist davon auszugehen, dass über das gesamte spätere Ostpreußen und weit darüber hinaus mindestens seit 1800 v. Chr. Balten gesiedelt haben.

Dieser Siedlungsraum kam etwa um 1000 v. Chr. in seinem westlichen Teil bis etwa zur Memel unter den Einfluss der Lausitzer Kultur, aus der sich in der Periode V der Bronzezeit (900 bis 750) eine samland-natangische, eine westmasurische und eine ostmasurische Gruppe herausbildete.

Die westmasurische ist mit den im 2. Jahrhundert unserer Zeitrechnung vom griechischen Geographen und Mathematiker Ptolomäus bezeugten Galindern, die ostmasurische mit den von ihm gleichzeitig genannten Sudauern in Verbindung zu bringen. Damit sind die Anfänge der ursprünglich zwei prußischen Stämme erfasst. Die älteste geschichtliche Nachricht stammt jedoch aus dem 1. Jh. n. Chr. vom römischen Geschichtsschreiber Tazitus, der in der Germania die Bewohner dieser Landschaft mit „Aestiorum gentes“ bezeichnet. Er schildert sie als tüchtige Bauern und als einzige, die den Bernstein gewinnen.

Nach Adam von Bremen (gestorben um 1081) waren die Prußen ein blauäugiges Volk mit rötlichem Gesicht und langem Haar; sie waren Bauern, Jäger und Fischer, im übrigen weithin durch den Bernsteinhandel bekannt. Sie waren benachbart durch „Ruzzis vel Polanis“. Archäologische Funde beweisen, dass sie kein primitives Volk waren. Eine Schrift kannten sie nicht.

Mit der Eroberung des Prußenlandes nach 50jährigem Kampf zwischen den Prußen und dem Deutschen Orden erfolgte eine planmäßige Landnahme durch deutsche Siedler. Nach der Zerschlagung des Ordensstaates wurde die Besiedlungspolitik fortgeführt. Politische Zugeständnisse ließen dabei auch polnische und litauische Siedler einsickern.

Die Prußen gingen schließlich im deutschen, masowischen und litauischen Volkstum auf

Ihre Sprache erlosch um 1700. Zu dieser Sprache meinte im 16. Jahrhundert der Wandermönch Simon Grunau aus Tolkemit, dass der „Preusch eine sonderliche Sprache hat und der Pole im nix versteht, der Littau ganz wenig“. 1821 wird der Historiker Hartknoch folgendermaßen zitiert: “Vor Ankunft des Ordens ist in Pomesanien, Pogesanien, Ermeland, Natangen, Barten und auch Samland Alt-Preussisch geredet worden. In anderen anliegenden Ländern war diese Sprache schon etwas mit der Litthauischen und Polnischen vermischt.”

Die Prußen sind auf eine Größe von 170.000 Personen vor der Eroberung durch den Deutschen Orden geschätzt worden

Der Historiker stellt auch die Frage, warum die Prußen wohl unterlegen gewesen sein könnten, obwohl die Litauer nicht besiegt werden konnten. Dabei kommt er zu dem Schluss, dass die Litauer trotz vieler Familienstreitigkeiten unter der einheitlichen Führung von Großfürsten gestanden haben. Die prußischen Stämme dagegen hatten nicht einmal im Krieg einen Herzog. In ihnen hatten die Häuptlinge (reges), die nur über einige der meist sehr kleinen Dörfer walteten, die Macht. Kaum jemals dachte ein Stamm daran, den angegriffenen Nachbarn zu unterstützen.

Nach der Unterwerfung folgte ein Aufstand, dessen Niederschlagung insgesamt weitere 20 Jahre währte. Vor dem Aufstand beklagten sich Häuptlinge wiederholt über finanzielle Bedrückung. (Es wird also wohl mehr als „der Zehnte“ verlangt worden sein.) Mit dem Aufstand war für einen Teil des Volkes ein Vertragsbruch verbunden, der auch dem Volksteil zur Last gelegt worden ist, der an der Vertragsschließung gar nicht beteiligt gewesen ist. In Folge des Aufstandes kam es zur Besserstellung sogenannter „treuer Preußen“. Die Masse der Aufständischen dagegen wurde ohne Rücksicht auf ihre frühere Stellung unfrei; ihre Nachkommenschaft blieb es. Auf ihren „Haken“ mußten sie denselben Zins zahlen wie die deutschen Siedler auf ihren größeren Hufen. Wurde ihr Land für die Gründung von Städten und deutschen Dörfern benötigt, mussten sie weichen, erhielten allerdings anderswo Land. Prußische und deutsche Dörfer waren im allgemeinen voneinander getrennt. Ein geschriebenes Recht besaßen sie nicht. Immerhin konnten sie ungestört wirtschaften, wenn sie ihre Steuern zahlten. Demgemäß sind uns ihre Namen bis zum Zusammenbruch des Ordens aus den Steuerlisten bekannt. Um die zum Stillstand kommende Besiedlung der „Wildnis“ zu fördern, machte der Orden sie an deren Rand gelegentlich zu Freien.

Der Niedergang des Ordens traf die prußische Unterschicht in doppelter Hinsicht. Um seine Söldner bezahlen zu können, verpfändete er viele Dörfer und sogar ganze Ämter samt seiner Einwohner. So wurden erst prußische Bauern, prußische Freie, dann auch deutsche Bauern und Freie die Untertanen landsässig werdender Söldnerführer. Das römische Recht tat das Seine, diese Bauern zu an die Scholle gefesselten Hörigen (Leibeigenen) zu machen. Nur ein Gutes hatte die Unterdrückung von Prußen und Deutschen ungewollt: Sie wurden zu Ostpreußen.

Quelle: www.brieskorn.de

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