Auch Schwein, auch Huhn, auch Pferd, auch Kuh …

Auch Schwein, auch Huhn, auch Pferd, auch Kuh… all das hatte meine Urgroßmutter in Masuren – ihrer Heimat. Sie wohnte in einem kleinen Dorf namens „Bärenbruch“, heute Niedźwiedzie (12-200 Niedźwiedzie, Polen) Sie war übrigens eine Emma Martha geb. Kuneia.

Als gemischte kulturelle Identität und trotzdem in friedlichem Miteinander, so hat meine Urgroßmutter ihre Heimat beschrieben. „Masuren“ im damaligen südlichen Ostpreußen wurde nie nur als Landstrich gesehen, sondern die masurische Bevölkerung fast als eigenständige Ethnie beschrieben.

Die Masuren waren ein Volk, welches aus den Nachfahren der alten Prußen, der eingewanderten Polen, Österreicher und Holländer, der eingefallenen Deutschen und Schweden sowie den benachbarten Litauern zusammengesetzt war.

Seite an Seite mit verschiedenen anderen Nationalitäten und fließenden zwischenmenschlichen und sprachlichen Grenzen hatten die Masuren wohl den Stolz und die Tiefgründigkeit des Balten, das Temperament des Slawen, die Anpassungsfähigkeit und den Struktursinn des Deutschen und die Fröhlichkeit von den eingewanderten Österreichern oder Holländern.

Ostpreußen war ein Land verschiedenster kultureller Einflüsse , und diese haben die regionale Identität ebenso geformt und geprägt wie die weite Landschaft, in der sich die zahlreichen Störche auf dem Weg gen Süden niederließen und in deren Wäldern noch Wölfe heulten und Elche grasten. Die Masuren waren sehr heimat- und naturverbunden, sie betrieben seit Generationen Landwirtschaft und sicher genossen sie hin und wieder auch die Ruhe der tiefen Wälder.

Was davon weitergegeben wird, ob diese Mentalität erhalten bleibt – niemand weiß so genau, warum wir sind, wie wir sind. Ich kann mich jedoch sehr gut mit Masuren identifizieren – so aus der Ferne.

Von den masurischen Vorfahren habe ich die Eigenart vererbt bekommen, zu lachen, wenn es zum heulen nicht reicht, wortwitzig zu sein und vielleicht auch den Hang zum Mystischen. Das Temperament, verbunden mit lautem Lachen und Reden – bis die Wangen glühen. Die heimeligen Abende am knisternden Lagerfeuer, seine Gedanken schweifen zu lassen und die Welt auch mal von „oben“ zu betrachten, um dem festgefahrenen Alltag neue Aspekte zu geben.Genau das wurde meiner Urgroßmutter auch immer nachgesagt. Und ab und zu muss auch mal das Feiern sein 😉

 

Vielen Dank fürs Durchlesen!

 

 

.

Comment ( 1 )

  1. Der Name Kolpak bereitet mir Kopfzerbrechen! | So wie ihr
    […] fehlt mir quasi ein Bindeglied zwischen zwei Generationen da oben im ehemaligen Ostpreußen, und ich habe somit keine plausible Verbindung zwischen den Familien, obwohl ich sooooo nah dran […]

Leave a reply

Your email address will not be published.

You may use these HTML tags and attributes:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>