Masuren in Masuren

Die Masuren – meine Urgroßmutter war eine von ihnen – sprachen masurisch, eine westslawische Sprache mit einer vom Deutschen stark beeinflussten Mundart.

Um 1900 wurde sie von über 130.000 Menschen und um 1940 noch von rund 40.000 Menschen gesprochen, neben etwa 20.000 Menschen, die sowohl masurisch als auch deutsch sprachen. Das Masurische hätte man ursprünglich als polnischen Dialekt bezeichnen können, jedoch machte es dessen Veränderungen in der Neuzeit nicht mehr mit.

Meine Urgroßmutter sprach Deutsch, aber sie sprach es mit Akzent. Und doch war sie keine Polin, sondern eben „aus Masuren“!

Sie redete von ihrer Heimat immer als „Masuren“ – den Begriff Ostpreußen verwendete sie eher nicht in dem Zusammenhang.

War der Hauptunterschied zwischen Masuren und Polen im engeren Sinne ursprünglich konfessioneller Natur gewesen – die Masuren wurden evangelisch – bekannten sie sich nach dem ersten Weltkriege zu Deutschtum und wurden darum trotz ihrer slawischen Herkunft und nahen Verwandtschaft mit den Polen aus ihrer Heimat gejagt.

Die Masuren besaßen einen großen Schatz an Volksliedern. Altes Brauchtum hatte sich noch viel erhalten, Trachten waren jedoch verschwunden.

Die weißen Nächte des Nordens kulminierten in der Johannisnacht. Man ließ gerne brennende Teertonnen auf den See hinausschwimmen. Die Türen wurden mit Brennnesseln versehen, damit sich die Geister die Hände verbrennen. Auf die Türschwellen legte man geschärfte Sensen. Es gab Sagen über den Wassermann, der im Moor und in den Tiefen der Seen hauste und Dobnick oder Topich hieß.

Charakteristisch waren Straßendörfer mit Blockhäusern; die Häuser wiesen oft säulengestützte Giebelvorbauten (Vorlauben) auf. Um den Hofraum herum waren die Wohn- und Stallgebäude in einem Viereck angeordnet.

Die Verschmelzung mit dem deutschen Bauerntum mit seiner ostniederdeutschen Mundart wirkte sich auf Sprache und Denkart der Masuren erheblich aus und führte auch ihrem Sprachschatze zahlreiche deutsche Wörter zu. Neuen Dingen gab der Masure gerne eine deutsche Bezeichnung, an die er dann oft eine masurische Endung anhängte: fensterladki (Fensterladen), gafelko (Gabel), zagowac (sägen).

Comment ( 1 )

  1. Der Name Kolpak bereitet mir Kopfzerbrechen! | So wie ihr
    […] Weder kennt irgend jemand in hiesigen Ahnenforschungsforen den Namen Kuneia, noch sucht außer mir jemand danach. Der Name selber ist wie ausgestorben, nur wenn man das “a” abhängt, kommt man auf ein paar Suchergebnisse, allerdings nicht in Masuren. […]

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