Die alten Prußen (Prussen/Pruzzen/Prūsai/Altpreußen) – die Ureinwohner Ostpreußens. Ihre Geschichte von Anfang bis Ende

Quelle: http://www.timediver.de

Peter von Dusburg, ein Priesterbruder des Deutschen Ordens berichtet in seiner „Chronica Terre Prussie“ über die Bewohner des Landes „Prutheni“ (lateinisierte Form), was auf die Aussprache eines langen „u“ hindeutet.

Um 2200 v. Chr.

Im Chalkolithicum ist das Gebiet von Menschen besiedelt, die der Haffküsten Kultur, einer regionale Ausprägung der Glockenbecherkultur, zugerechnet werden. Archäologische Funde beweisen heute eine Kontinuität der Besiedlung bis zum Mittelalter. Dies bedeutet, dass die zum baltischen Zweig der Indogermanen gehörenden Prußen und ihre Vorväter von jeher in diesem Gebiet ansässig waren.

Um 98

Der römische Senator und Historiker Publius (oder Gaius) Cornelius Tacitus erwähnt in seiner ethnographischen Schrift Germania einen Volksstamm der Aestii. (Es ist jedoch fraglich, ob er damit Balten oder gar die Prußen gemeint hatte.)

9. Jh.

Im Geographus Bavarus, (Ostfränkische Völkertafel) sind slawische Gebiete östlich des Frankenreiches aufgelistet. Fraglich bleibt, ob mit den dort genannten Brus die Prußen, ( die als Balten nicht zu den Slawen zur rechnen sind !) gemeint sind.

890

Prussen Handelsplatz Wulfstan von Haithabu unternimmt im Dienste des Königs Alfred dem Großen eine Bootsfahrt, um den dänischen Handelsstützpunkt Truso zu besuchen. Die an der Bernsteinstrasse (nahe der heutigen Stadt Elblag) gelegene Handelsniederlassung besaß einen multiethnischen Charakter, da neben den beheimateten Prußen und Skandinaviern auch Slawen und Friesen ansässig waren.

(Foto: Austellung Mittelburg Marienburg/Malbork © by timediver)

997

Prussen Tenkitten Adalbertkreuz
Mit der Mission des böhmischen Bischofs Adalbert (Vojtěch) von Prag, die mit Eroberungsversuchen des Polanenherzoges Bolesław I. Chrobry einhergehen, werden die Prußen erstmals historisch erwähnt. Der Überlieferung nach wird Adalbert nahe des Dorfes Tenkitten im Prußengau Samland erschlagen, weil er einen Heiligen Hain missachtet hatte.

(Foto: Adalbertkreuz bei Tenkitten im militärischen Sperrbezirk Pilllau/Baltisk © by timediver)

Prussengaue Die Prußen lebten in dem geographischen Raum zwischen den Flüssen Weichsel und Minge in elf Landschaften (Gauen), die den Namen des jeweiligen Stammes trugen. Barten (Rastenburg), Galindien (Masuren), Nadrauen (Insterburg), Natangen , Pomesanien (Marienburg), Pogesanien (Heilsberg), Sambia/Samland (Königsberg), Sassen (Tannenberg), Schalauen (Tilsit), Sudauen/Jatwinger (Lyck, Suwałki), Warmien/Ermland (Braunsberg).

Karte: skaldenland.net/ostpreussen

Prussenkrieger Sie besiedeln das Land als freie Bauern, pflegen Ackerbau, Viehzucht, Fischfang und lieben vor allem das Pferd. Sie leben in Schilf- und Holzhütten, ihre Anführer teilweise in Steinburgen. Zur ihrer schlichten Kleidung gehören ein enger Rock aus Tuch oder Leinwand, der von einem Gürtel gehalten, bis zum Knie reicht. Darunter werden Beinkleider getragen, an den Füssen Leder- oder Bastsandalen. Im Winter tragen sie eine Pelzmütze. Städte kennen sie nicht. In ihren Stammesgebieten leben sie in dörflichen Gemeinschaften oder auf Einzelhöfen. Sie legten Handelsplätze an, die ihnen durch Bernstein und Pelztiere einen gewissen Wohlstand bescheren. Über die Gebräuche, der als groß und blond beschriebenen Prußen, heißt es, dass ein Mann bis zu drei Frauen heiraten konnte und überzählige Mädchen, ebenso wie Kranke und Behinderte, umgebracht worden seien.
Mord hatte Blutrache zur Folge. Die Toten werden verbrannt und ihre Asche in einer Urne in einem Grabhügel beerdigt. Da die Prußen an ein Leben nach dem Tode glauben geben sie ihrer Verstorbenen Grabbeigaben, die deren Rang im Diesseits entsprechen.
Einen Gesamtherrscher über alle prußischen Stammesgebiete gibt es nicht.
(Foto: Austellung Mittelburg Marienburg/Malbork © by timediver)

Prussen Grabbeigaben Das Gemeinschaftsleben wird durch die prußische Naturreligion bestimmt, in der eine Hierarchie von Göttern die Natur versinnbildlicht. Wie allen Balten verehren die Prußen neben Deiws weitere Himmelsgötter. Percunis ist als Gott des Donners und des Feuers dem germanischen Thor vergleichbar. Von Patrimpe, einem als Jüngling dargestellten Kriegsgott, wird berichtet, dass ihm auch Menschenopfer dargebracht werden. Churche gilt als Gott der Ernte. Pikallos ist der Gott des Todes. Neben der gemeinbaltischen Schicksalsgöttin Laima (Laima mate) werden weitere weibliche und männliche Untergötter verehrt. Eiche, Ulme, Esche und Linde gelten als heilig , daneben werden auch Flüsse, Berge und Steine religiös verehrt.

(Foto: Austellung Mittelburg Marienburg/Malbork © by timediver)

1009

Adalberts Nachfolger, Bruno von Querfurt, wird mit 18 Begleitern bei den Jadwingern getötet. Märtyrertod. Wie zuvor bei Adalbert kauft Herzog Boleslav I. kauft die sterblichen Überreste dergetöteten Missionare und lässt sie in Polen beisetzen.

1210

Dem Abt Christian gelingen bei neuerlichen Christianisierungsversuchen erste Erfolge.

1215

In Rom wird der Abt von Lekno zur Forcierung der Missionierungsversuche in Ostmitteleuropa zum Missionsbischof geweiht. Mit Unterstützung des Erzbischofes von Gnesen soll er das Christentum ins Prußenland bringen.

1217

Papst Honorius III. ruft zum Kreuzzug gegen die Prußen auf. Aber alle diese Bemühungen blieben vergebens.

Bis 1220

Unzählige unter dem Vorwand der Missionierung durchgeführte polnische Kriegszüge zur Eroberung des Siedlungsgebietes der Prußen, um einen Zugangs zur Ostsee zu gewinnen, scheitern.

1226

Nachdem alle militärischen Operationen der slawischen Fürsten misslangen, die Region zu unterwerfen und die Prußen nun ihrerseits Razzien nach Masowien unternehmen, ruft Herzog Konrad von Masowien den Deutschen Orden zu Hilfe, der die baltischen Nachbarn nach westlich-christlichem Verständnis befrieden und christianisieren, sowie einen Zugang zur Ostsee (!) schaffen soll. In der Goldbulle von Rimini autorisiert Kaiser Friedrich II., den Orden, seinen Eroberungskrieg zu beginnen. In der Urkunde wird das zu erobernde Land als Gebiet der Prußen (confinia Prutenorum) und als prußische Gegend (partes Pruscie) bezeichnet.

1228

Da der Deutsche Orden jedoch auf seine Präsenz warten lässt, gründet Konrad auf Anraten des Bischofs Christian von Oliva den Ritterorden von Dobrin. Die wenigen deutschen Ritter, die diesem Orden angehören, können den Widerstand der Prußen jedoch nicht brechen.

1230

Herzog Konrad überschreibt im Vertrag von Kruschwitz das Kulmerland „ewig zum Besitz“ dem Orden

1231

Der Orden nimmt mit einem kleinen Teil seiner Ritter und Hilfstruppen an der Weichsel den Kampf auf und erobert, dem Lauf der Weichsel folgend, Teile des Prußenlandes, die er durch den konsequenten Bau fester Burgen sichert.

1232

Gründung von Kulm und Thorn.

1233

Gründung von Marienwerder.

1234

Am 3. August nimmt Friedrichs II. Gegner, Papst Gregor IX, das Land, das vom Deutschen Orden erobern werden soll, in das Eigentum des heiligen Petrus. Gleichzeitig übertragt er, gegen Zahlung eines Jahreszinses, die Herrschaft, mit allen Hoheitsrechten und Einkünften an den Orden, mit der Weisung, dass dieses Land die keiner anderen Herrschaft unterstellt werden dürfe, auch nicht jener des Kaisers. (Bulle von Rieti) Da der Orden die beabsichtigten Eroberungen nicht mit eigenen Kräften alleine nicht durchführen konnte, wurde die Kriege gegen die Prußen zu Kreuzzügen erklärt. Dem Orden gelang es nun, anders als bei den vorausgegangen Versuchen der polnischen Fürsten, die Kreuzzugsprivilegien tatsächlich zu nutzen und fürstliche Kreuzfahrer aus dem Reich zu gewinnen.

1236

Peter von Dusburg, der Kapellan des Deutschordensmeisters berichtet in seiner „Chronica Terre Prussie“ über die Bewohner des Landes „Prutheni“ (lateinisierte Form), was auf die Aussprache langes eines langen „u“ hindeutet. Er schreibt von einem Papst der Balten, der Crive genannt werde. (Durch die heutige Forschung in Frage gestellt, da dort nicht von einem eigenständigen Priestertum, sondern von der Wahrnehmung der priesterlichen Funktionen durch den Familienvater ausgegangen wird).

1237

Errichtung der Burg Elbing.

1238

Berlewin, der Vertreter des Ordens in Livland, entsendet zwei Ordensschiffe ins Frische Haff, um in Warmien einen Platz für eine Burg zu erkunden. An dem Ort, an dem die spätere Ordensburg Balga gebaut werden sollte, treffen sie auf eine Prußenfestung und werden unter großen Verlusten zurückgeschlagen.

1241

Prussenkrieg1 Nachdem v. g. Prußenfestung in einem späteren Versuch doch noch erobert wurde, beginnt der Orden mit der Errichtung seiner Burg Balga und beginnt von diesem Stützpunkt aus mit der Eroberung Warmiens und Natagens.

1242

Erster großer Aufstand der Prußen.(Foto: Säulenkapitel Mittelburg Marienburg/Malbork © by timediver)

1249

Nachdem die Natangen vom Deutschen Orden besiegt wurden, verpflichten sich die bekehrten Prußen im so genannten Christburger Vertrag vom 7. Februar, Kirchen zu bauen, den Zehnten abzuliefern, sowie an den weiteren Kreuzzügen des Ordens teilzunehmen. Dieser Frieden sicherte den Prußen die persönliche Freiheit, Eigentumsrechte und die Gleichstellung mit den Deutschen zu, wenn sie dem Orden und der Kirche die Treue hielten. Alle Prußen die sich taufen ließen blieben am Leben, alle die Widerstand leisteten wurden weitgehend umgebracht. Der Orden veranlasst zudem die Kolonisation des Gaus Natangen mit deutschen Einwanderern aus Nieder- und Mitteldeutschland, die bis Mitte des 14. Jahrhunderts anhalten wird.

1260

Nach der Schlacht an der Durbe kommt es unter Führung des Herzogs der Natanger, Hercus Monte, zum Ausbruch eines weiteren prußischen Aufstandes gegen den Deutschen Orden. Hercus Monte, prußisch Erkus Mants (geb. zw. 1225 und 1230 gest. 1273), war der Sohn eines zum christlichen Glauben übergetretenen Prußen. Monte hatte in Magdeburg die Klosterschule besucht und war in militärischen Dingen ein fähiger Mann Zudem war er jetzt ein glühender Feind des Ordens. Der Ordensvogt Volrad Mirabilis hatte auf der Lenzenburg am Frischen Haff, einen großen Teil geladener warmischer und natangischer Edlen einfach in die Feste eingeschlossen und verbrannt. Dies war der zündende Funke zum Aufstand. Im ersten Sturm fielen die Ordensburgen Braunsberg, Heilsberg, Bartenstein, Rössel und Kreuzburg. Gefangene wurden von den Prußen den Göttern geopfert oder zu Tode gemartert. Nur große Ordensburgen, wie Elbing, Balga, und Königsberg hielten stand.

1263

Prussenkrieg1 Erobern die Prußen ganz Natangen zurück.

1272

Mit der Hilfe eines Kreuzfahrerheers unter Führung des Markgrafen Dietrich von Meißen, gelingt es dem Orden die Prußen in den Schlachten bei Braunsberg und Brandenburg besiegen. Monte floh in ein damals unwegsames und bergiges Waldgebiet, den Stablack.

1273

Im Herbst wurde Monte durch Verrat vom Komtur von Christburg, der sich mit seinem Gefolge auf der Jagd befand, gefangen genommen und kurzerhand am Ast einer Eiche gehängt.(Foto: Säulenkapitel Mittelburg Marienburg/Malbork © by timediver)

1275

Ist der Friede notdürftig hergestellt und der Orden setzt seine Eroberungen im Osten und Süden fort.

1277

Die Schalauer werden in ihrer Burg Raganita geschlagen. Nachdem alle Verteidiger umgebracht wurden, werden Frauen und Kinder in die Gefangenschaft geführt. Der Orden ging über die Memel und eroberte auch die zweite Schalauer-Burg Ramige. Viele Schalauer flohen ins benachbarte Litauen. Der Rest wurde ins Ordensland umgesiedelt.

1283

Nach der Taufe des letzten Sudauerfürsten Skomand ist die vollständige Eroberung des Prußenlandes durch den Deutschen Orden, der unter seinem Hochmeister Winrich von Kniprode den Höhepunkt seiner Macht erreicht hatte, abgeschlossen. Je nach Gau war die prußische Bevölkerung in Folge Krieg und Umsiedlung um 20 – 50 % dezimiert worden. In den folgenden Jahrzehnten und Jahrhunderten förderte der vom Deutschen Ritterorden gegründete Ordenstaat den Zustrom deutscher Ritter, Bauern und Bürger

Bis 1700

können die Prußen ihre ethnische Identität und Sprache bewahren. In den folgenden Jahrhunderten akkulturierten sie sich an das deutsche und litauische, zum Teil auch an das polnische Element. Elemente der prußischen Sprache, wie das langgezogne „u“ bleiben in den ostpreußischen Dialekt und den Ortsnamen erhalten.

Comments ( 2 )

  1. Wir tragen die Erfahrungen unserer Ahnen in den Genen | Mrs-Eastie
    [...] der Traum von einem Blockhaus im Wald mit moosbewachsenem Dach – wenn ich daran denke, dass die Prußen vielleicht meine Vorfahren waren, ist das gar nicht weit her [...]
  2. ReplyManü aus dem Land dazwischen
    Wenn es um Osten geht ist immer die Rede von Deutschen und Slawen. Vielen Dank für die Erinnerung an diesen kleinen baltischen Völkern, heute in Vergessenheit geraten, überhaupt in Frankreich, wo man fast nur Deutsche, Polen und Russen kennt...

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